Gutartige Erkrankungen der Brust sind viel häufiger als Brustkrebs.

Die häufigsten gutartigen Erkrankungen werden im Folgenden kurz dargestellt:

  • Mastopathie
  • Mastodynie
  • Zyste
  • Papillom
  • Fibroadenom
  • Mastitis

Mastopathie

Unter dem Begriff Mastopathie werden gutartige Umbauvorgänge der Brustdrüse zusammengefasst, die häufig auf hormonellen Schwankungen beruhen.
Bei der fibrösen Mastopathie kommt es zur knotigen Wucherung des Bindegewebes und bei der zystischen Mastopathie zur Zystenbildung. Besonders gegen Ende des Zyklus fühlt sich das Drüsengewebe „knotig“ an und es kommt zu Schmerzen und Spannungsgefühlen der Brust. In einigen Fällen kann im Rahmen der Mastopathie eine Sekretion aus den Brustwarzen auftreten.

Viele Frauen sind mehr oder minder von diesen Veränderungen  betroffen (50 bis 70 % der Normalpopulation), so dass sie eigentlich keine Erkrankung ist, sondern eine Normvariante.
Die meisten Mastopathien (ca.70 %) bedingen im Vergleich zur Normalpopulation kein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Ein Teil (ca. 25 %) zeigen ein gering erhöhtes Brustkrebsrisiko (Faktor 1,5 – 2). Eine relevante Risikoerhöhung (Faktor 4 – 5) zeigt sich nur für die Mastopathie mit atypischen Hyperplasien (4 – 5 % der Mastopathien). Hierbei weichen die atypischen Milchgangszellen in ihrem Aufbau deutlich von normalen Zellen ab, so dass eine operative Komplettentfernung der Läsion stattfinden sollte.

Mastodynien

Schmerzen in der Brust (Mastodynien) können verschiedene Ursachen haben. Häufig tritt die Mastodynie in der zweiten Zyklushälfte in Form von Spannungs- und Schweregefühl vorwiegend in den oberen, äußeren Quadranten der Brust auf. Da die zyklischen Veränderungen in der Brust unter dem Einfluss von Hormonen stehen, treten sie häufig auch bei Zyklusunregelmäßigkeiten auf.
Bei zyklusunabhängigen Mastodynien muss auch an Ursachen gedacht werden, die mit der Brust nicht direkt zusammenhängen. So strahlen fortgeleitete Schmerzen von der Wirbelsäule bis in die Brust aus.
Schmerzen sind in der Regel kein Hinweis auf Krebs. Trotzdem sollte bei einem genau lokalisierbaren, zyklusunabhängigen Schmerz eine ärztliche Untersuchung stattfinden.

Zyste

Eine Zyste ist eine gutartige, mit Flüssigkeit gefüllte Erweiterung eines Milchgangs. Zysten treten meistens im Rahmen von mastopathischen Veränderungen auf. Ihre Bedeutung erlangen Zysten dadurch, dass sie entweder Schmerzen verursachen oder als abklärungsbedürftiger Tastbefund auffallen.
Bei Verdacht auf eine Zyste ist die Mammasonographie die Methode der Wahl. Bei bestehender Schmerzsymptomatik, Tastbefund oder diagnostischer Unsicherheit sollte eine Punktion mit Aspiration des Zysteninhalts angestrebt werden. Isolierte Zysten bilden sich in hohem Maße zurück, während Frauen mit multiplen Zysten häufig bis zum Einsetzen der Wechseljahre immer wieder Zysten entwickeln.

Zysten2

Fibroadenom (FA)

Das Fibroadenom ist unter den gutartigen Erkrankungen der Brustdrüse der häufigste isolierte Knoten und tritt vor allem bei jüngeren Frauen auf. In den meisten Fällen ist das Vorkommen isoliert, nur in circa 7 % findet man mehrere Fibroadenome. Die meisten Fibroadenome zeigen eine ovale, runde oder knollige Form mit glatter Oberfläche und bestehen aus Binde- und auch Drüsengewebe. Das Fibroadenom der reifen Frau (adultes Fibroadenom) zeigt sich als isolierter, nicht schmerzhafter Tumor und bleibt meistens von der Größe her konstant.

Zum Ausschluss eines glattbegrenzten bösartigen Tumors, der in 4-6% aller Fälle wie ein Fibroadenom imponieren kann, sollte bei Verdacht auf ein Fibroadenom unbedingt eine Sicherung der Diagnose erfolgen. Dies sollte möglichst durch eine Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie geschehen. Ist das Fibroadenom einmal histologisch gesichert, muss es nicht operativ entfernt werden. Dieses Vorgehen findet seine Einschränkung bei dem schnell wachsenden Fibroadenom der jungen Frau (juvenile Fibroadenom) welches entfernt werden sollte.

Fibroadenom3D-1

3D-Darstellung eines FA

Papillom

Das Papillom ist ein seltener, gutartiger Tumor im Milchgang der Brust. Er macht nur 1 – 1,5% der Mammatumore aus. 80% der Papillome fallen durch eine Sekretion aus der Brustwarze auf. Außerdem sind sie verletzlich und bluten leicht.
Man unterscheidet isolierte größere Papillome, mehrere kleinere Papillome und eine juvenile Papillomatose bei jungen Frauen, wobei sich hier eine rasenförmige Ausbreitung entlang des Milchgangs zeigt. Je nach Vorkommen und Lokalisation gehen Papillome mit einem unterschiedlichen Karzinomrisiko zwischen 0 – 12 % einher.
Liegt eine krankhafte Flüssigkeitsabsonderung  aus der Brustwarze vor (blutige oder wässerige, meist einseitige Flüssigkeitsabsonderungen, oft zusätzlich auffälliger Sekretabstrich), sollte eine Galaktographie durchgeführt werden.

Die Galaktographie ist eine Röntgenuntersuchung des Milchgangsystems, bei der mit Hilfe von jodhaltigem, wasserlöslichem Kontrastmittel Veränderungen innerhalb der Milchgänge sichtbar gemacht werden können. Der flüssigkeitsabsondernde Milchgang kann mit Hilfe eines dünnen Katheters sondiert und mit Kontrastmittel gefüllt werden. Die im Anschluss daran durchgeführte Mammographie stellt das untersuchte Milchgangsystem dar. Veränderungen der Milchgänge führen hierbei unter anderem zu Füllungsdefekten oder Gangabbrüchen.
Zeigt sich der Verdacht auf ein Papillom, eine Papillomatose oder Auffälligkeiten in der Galaktographie, müssen diese meist durch eine operative Entfernung abgeklärt werden.

Mastitis

Die Mastitis ist eine Entzündung der Brust, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Die akute Mastitis fällt auf durch Schmerzen, Rötung, Schwellung und Überwärmung der Haut.
Die in der Schwangerschaft und Stillzeit auftretende Mastitis (puerperale Mastitis) ist bakteriellen Ursprungs. Beim Stillvorgang dringen Bakterien durch Rhagaden, die durch die mechanische Belastung beim Stillen an der Brustwarze entstanden sind, in die Lymphspalten des Bindegewebes ein. Es entwickelt sich eine sich diffus-ausbreitende Mastitis. Bei Milchstau sind die gestauten Ausführungsgänge der Milchdrüse  als Infektionsweg prädisponiert.
Die nicht im Rahmen der Schwangerschaft und Stillzeit vorkommende Mastitis (non puerperale Mastitis) hat ihre Ursache häufig in einer vermehrten Sekretion des Drüsengewebes mit Stau in den Milchgängen. Die Mastitis kann auch ein Anzeichen einer verminderten Abwehrlage sein.

Nur selten ist der gesamte Drüsenkörper betroffen, meist beschränkt sich die Entzündung auf ein begrenztes Areal, am häufigsten auf den oberen äußeren Quadranten. Die Symptome entsprechen den typischen Befunden bei Entzündungen:

  • Rötung der Brust
  • Überwärmung der Brust
  • Schwellung des betroffenen Gewebes
  • Schmerzen: Eine Palpation des betroffenen Bereiches wird meist nicht toleriert

Die Entzündung verläuft im Anfangsstadium zunächst diffus (Phlegmone). Wird die Entzündung in diesem Stadium nicht behandelt, entwickelt sich nach einigen Tagen ein abgekapselter, eingeschmolzener Abszess.
Behandelt wird die Entzündung medikamentös und durch lokale Therapie. Bei unzureichender Behandlung kann es zur Eiteransammlung (Abszess) oder zu einem chronischen Verlauf kommen.
Weiterhin muss bei Nicht-Ansprechen auf die Therapie durch eine Stanzbiopsie ein bösartiger Prozess (inflammatorisches Karzinom) ausgeschlossen werden.